Otto Heinemann Preis im Rahmen der 3. Berliner Pflegekonferenz vergeben

Staatssekretärin Iris Gleicke lobt „kluge und vorausschauende Arbeitgeber“

Das Amtsgericht Offenbach, der mittelständische Zulieferer EJOT und die Berliner Stadtreinigungsbetriebe BSR: Drei Arbeitgeber, die unterschiedlicher nicht sein, könnten, die aber eines eint: Seit gestern Abend sind sie stolze Gewinner des Otto Heinemann Preises. Dieser wird alljährlich vom GKV-Servicedienstleister spectrumK in Kooperation mit den Spitzenverbänden der Betriebskrankenkassen und der Innungskrankenkassen im Rahmen der Berliner Pflegekonferenz an Unternehmen vergeben, die sich in herausragender Weise dafür einsetzen, dass ihre Beschäftigten Pflege und Beruf besser vereinbaren können.

In Ihrer Laudatio unterstrich die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Mittelstandsbeauftragte, Iris Gleicke: „Die Pflege von Angehörigen ist für die Betroffenen eine schwierige Aufgabe. Oft müssen sie sich auch noch mit dem Problem auseinandersetzen, wie sie Pflege und Beruf unter einen Hut bekommen sollen. Kluge und vorausschauende Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bauen deshalb vor. Sie wissen: Eine pflege- und familienbewusste Personalpolitik tut nicht nur dem Betriebsklima und dem Image gut, sie hilft auch dabei, als Unternehmen für Fachkräfte attraktiv zu bleiben.“

Stichwort Fachkräfte: „EJOTs zukünftiger Erfolg hängt wesentlich davon ab, wie gut es uns gelingt, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter für unser Unternehmen zu gewinnen und an uns zu binden.“ Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Investition in die Zukunft – auch die des Unternehmens – ist, hat man beim Mittelständler mit Sitz in Bad Berleburg längst verstanden. Pflegeleitfäden, Vortragsveranstaltungen und Vermittlungsleistungen sowie das audit berufundfamilie tragen dort zu einer „lebensphasenbewussten Personalpolitik“ bei.

Auch die Personalpolitik der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) hat die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Blick: „Bei steigendem Altersdurchschnitt haben immer mehr Beschäftigte das Thema der Pflege von Angehörigen zu bewältigen“, weiß man bei einem der größten kommunalen Unternehmen der Entsorgungsbranche in Europa. Pflegezirkel, Fortbildungsangebote, flexible Arbeitszeiten – und vor allem Wertschätzung und Respekt: „Bei uns soll die Unternehmenskultur so offen sein, dass man ohne schlechtes Gewissen oder eine Ausrede brauchen zu müssen, über die Herausforderungen von Pflegesituationen sprechen kann“, lautet das Credo der BSR.

Netzwerke und Kooperationen sind für das Amtsgericht Offenbach der Schlüssel zum Erfolg. Dazu kostenlose Kursangebote während der Arbeitszeit in den „Amtsstuben“ der Behörde – und für die Berufsgruppe der Rechtspfleger sogar die Möglichkeit, die Arbeitszeit frei – ohne Zeiterfassung – zu gestalten. Das alles kam, so betonen die Verantwortlichen, nicht von ungefähr: „Die Nominierung für den Otto Heinemann Preis im vergangenen Jahr haben wir als Auftrag begriffen, den eingeschlagenen Weg der stetigen Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie konsequent und nachhaltig weiter zu beschreiten.“

In seinem Prolog zum Otto Heinemann Preis betonte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), „der ZDH setzt sich aktiv dafür ein, dass Handwerksunternehmen ihre Beschäftigten mit praxisnahen Lösungen dabei unterstützen, die Pflege eines Angehörigen und den eigenen Job zu vereinbaren. Das bindet motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, stärkt die Familien und ist gelebte gesellschaftliche Verantwortung der Arbeitgeber.“ Und Dr. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie und Handelskammertages pflichtete bei: „Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die Pflege von Angehörigen zunehmend eine zentrale Säule. Für Unternehmen ergeben sich hier zusätzliche Chancen hinsichtlich der Fachkräftesicherung. Die IHKs unterstützen dabei in den Regionen insbesondere durch Beratungen, Informationsmaterial und Veranstaltungen.“ Viele Betriebe machten deshalb ihr Engagement auch sichtbar – beispielsweise mit einer Bewerbung für den Otto Heinemann Preis.

„Es erfüllt mich mit großem Stolz, dass es uns mit der Auslobung des Otto Heinemann Preises gelungen ist, eine Bewegung bei großen wie kleinen Betrieben und Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen anzustoßen“, sagte Yves Rawiel, Geschäftsführer von spectrumK. Die Zahl der Bewerber und die Dimension der eingereichten Projekte zeige, dass das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege eine immer wichtigere Rolle spiele, so der Initiator der Berliner Pflegekonferenz.

Wenn also auch die schwere Doppel-Stele mit goldenem Ring, die die Initialen des Namensgebers andeuten soll, am Ende jeweils nur ein Vertreter der drei nominierten Unternehmen aus jeder Kategorie mit nach Hause nehmen konnte – gewonnen haben am Ende doch ganz viele Menschen: Die Initiatoren des Preises, die Preisträger – und ganz besonders die insgesamt 7.288 Beschäftigten der preisgekrönten Arbeitgeber und ihre Angehörigen!