Innovationen in der Pflegepraxis: 4. Berliner Pflegekonferenz bietet Dialogforum

Als interdisziplinäres Dialogforum für die Pflege gibt die 4. Berliner Pflegekonferenz am 9. und 10. November 2017 Orientierung zu aktuellen Entwicklungen. Der Informations- und Diskussionsbedarf ist groß, denn Pflege ist ein Zukunftsthema: Knapp 2,9 Millionen Pflegebedürftige gibt es laut Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung aktuell – bis 2030 wird ein Anstieg um etwa ein Drittel prognostiziert. Während aber die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, sinkt absehbar das Potenzial an Fachkräften und pflegenden Angehörigen.

Diese Ausgangslage macht deutlich, warum das Thema IT in der Pflege in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird: Digitale Technik kann Arbeitsprozesse in der Pflege effizienter gestalten und Senioren helfen, länger selbstständig zu Hause zu leben. Während sich der klassische Hausnotruf schon langjährig bewährt hat, können sich aber viele andere Innovationen – wie Systeme zur Ortung von desorientierten Personen, Assistenzsysteme zur Überwachung des Gesundheitszustandes und Erkennung von Gefahren oder emotionale Roboter zur Aktivierung Pflegebedürftiger – nicht durchsetzen. Mit der Frage, wie Innovationen in die Pflegepraxis gelangen können, beschäftigt sich daher auf der Berliner Pflegekonferenz ein eigenes Fachforum.

„Noch vor ein paar Jahren bedurfte es durchaus einer Portion Mut, sich als Ingenieurin vor eine Gruppe Pflegekräfte zu stellen und einen Vortrag zu den Möglichkeiten und Chancen der Technisierung für die Pflege zu halten“, erläutert Christine Weiß, die sich als stellvertretende Leiterin des Bereichs ‚Demografischer Wandel und Zukunftsforschung‘ beim VDI/VDE-IT mit diesem Thema beschäftigt und auf der Berliner Pflegekonferenz über Ihre Erfahrungen berichten wird. Dies habe sich aber inzwischen deutlich verändert, ermutigt Frau Weiß, die beobachtet, dass die Pflegepraxis mittlerweile ungeduldig marktverfügbare Produkte erwartet. Voraussetzung dafür sei aus ihrer Sicht eine deutlich stärkere Berücksichtigung der Nutzerperspektive bei der Entwicklung der Produkte und eine Verankerung des Themas in die pflegerische Aus- und Weiterbildung. Außerdem, so Frau Weiß, sei die Entwicklung hybrider Finanzierungsmodelle notwendig, damit die Finanzierung nicht einseitig die Anwender belastet. Wichtig sei zudem die interoperable Vernetzbarkeit der verschiedenen Systeme. Denn, so betont Frau Weiß: „In der Zukunft wird die Pflegetechnologie für die Pflege die gleiche Bedeutung haben wie die Medizintechnik für die Medizin.“

In weiteren Beiträgen zu aktuellen branchen- und gesundheitspolitischen Entwicklungen kommen auf der Pflegekonferenz unterschiedlichste Akteure aus Pflege, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft zu Wort, darunter Berlins Gesundheits- und Pflegesenatorin Dilek Kolat und Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese. Dr. rer. medic. Norbert Hebestreit, leitender Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Jena fasst die aktuelle Situation der Pflege zusammen: „Eine der großen Herausforderungen für die Pflege ist es, die historischen Wurzeln der Nächstenliebe mit den aktuellen Notwendigkeiten der Wirtschaftlichkeit zu verbinden.“ Auf der Berliner Pflegekonferenz moderiert er ein Fachforum zu Social Investment in der Pflege. „Wir können die Herausforderungen in der Pflege nur annehmen, indem wir darüber und vor allem miteinander reden“, ergänzt Gabriele Paulsen, Geschäftsführerin der Nessita GmbH bezieht sich damit nicht zuletzt auf ein Thema, das häufig tabuisiert wird; dem Thema Sexualität in der Pflege, dem sich auf der Berliner Pflegekonferenz ein eigenes Fachforum widmet.

Weitere Informationen, Programm und Anmeldung: www.berliner-pflegekonferenz.de